Ich und meine Krawatte

Ein Selbstportrait im Dialog.

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Herr Mayerhofer, Sie setzen in Ihrem Praxisraum mit Ihrer Lebensberatung auf Stimmungswechsel. Einen Raum beziehen bedeutet auch, sich mit dem Raum in Beziehung zu setzen. Wie wichtig, meinen Sie, sind Raum und Ambiente für ein Beratungsgespräch mit dem Klienten/der Klientin?LSB A. Mayerhofer: Der Raum soll meinen KlientInnen das Gefühl der Sicherheit geben. Hier darf alles an – und ausgesprochen werden, mit der Gewissheit, dass nichts von dem Gesagten den Raum verlässt. Dieses Gefühl zu vermitteln finde ich sehr wichtig, denn nur so kann eine Vertrauensbasis geschaffen werden, die für die gemeinsame Arbeit notwendig ist. In einem Ambiente mit Wohlfühlatmosphäre finden die KlientInnen einen besseren Zugang zu Ihren Emotionen.
Ihre KlientInnen begeben sich in eine neue Situation, wenn diese in Ihre Praxis kommen. Könnte man sagen, Sie begeben sich zusammen mit Ihnen auf eine gemeinsame Reise?LSB A. Mayerhofer: Als Lebens und Sozialberater begleite ich meine Klientinnen beim Beratungsgespräch ein Stück weit mit auf Ihrer Lebensreise.
Reisen bedeutet, Grenzen zu überschreiten, neue Horizonte zu erblicken und neue Erfahrungen zu machen. Auf Reisen bekommt man noch dazu ein schönes Stück Freiheit zurück, man erschließt neue Räume für die persönliche Entfaltung und die Entwicklung eigener Ideen und beginnt sich langsam wieder auf das Morgen zu freuen.
Wie sehr spiegelt sich Ihr eigener Lebensweg im Beratungsgespräch wider bzw. inwiefern spielt Ihre Lebensgeschichte in Ihre Methoden & Techniken innerhalb des Gesprächs mit hinein?LSB A. Mayerhofer: Mein eigener Lebensweg hat mich darauf vorbereitet, die Anliegen meiner KlientInnen besser zu verstehen. Meine Aufgabe als Lebens- und Sozialberater besteht allerdings nicht darin, den KlientInnen meinen Weg zu skizzieren, sondern diesen dabei zu helfen, ihren eigenen Weg zu finden und ihnen zu zeigen, wie es möglich ist, Selbstverantwortung für ihr Leben zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Meine Arbeitsmethoden- und Techniken sind dabei sehr individuell und ergeben sich aus dem jeweiligen Thema, welches die KlientInnen mitbringen.
Herr Mayerhofer, Sie tragen gerne Krawatten. Diese sind sozusagen Ihr Markenzeichen. Wofür steht die Krawatte in Ihrem Leben und warum ist sie mehr als bloß Stilmittel? Würden Sie jedem Menschen dazu raten, etwas Ureigenes nicht aufzugeben?LSB A. Mayerhofer: Die Krawatte begleitet mich seit meiner Kindheit. Früher war es wichtig, gut angezogen zu sein. In vielen Familien war es selbstverständlich, die Krawatte zu besonderen Anlässen zu tragen. Das hatte auch viel mit Wertschätzung und gepflegter Lebensweise zu tun. Als Jugendlicher galt die Krawatte dann als Stilmittel, wenn ich zum Beispiel an die damals modernen Lederkrawatten denke, im Berufsleben gehörte sie zum Dresscode. Die Krawatte drückt für mich ebenso Seriosität und Kompetenz aus. Ob beruflich oder privat, die Krawatte wurde irgendwann zu meinem Markenzeichen.
Sie haben in Ihrer beruflichen Laufbahn vielseitige Entwicklungen durchlaufen und dabei auf Aus-, Weiter- und Fortbildungen keinesfalls verzichtet. Sie wurden vom Arbeiter zum Angestellten, vom Techniker zum Sachbearbeiter, vom Kundenberater zum Versicherungsberater, vom Verkaufsförderer zum Versicherungsmakler und vom Lehrlingsausbilder zum Trainer. Nach intensiven Schulungen in Verkauf, Kommunikation und Persönlichkeit hatten Sie Ihre Berufung zum Ausbildner und Berater entdeckt. Wie wichtig ist (Weiter)bildung?LSB A. Mayerhofer: Weiterentwicklung macht Spaß und ich möchte diese Begeisterung auch vermitteln. Für mich ist es stets wichtig, neugierig zu bleiben, Neues zu probieren und sich auch zuzutrauen. Fachwissen gepaart mit sozialen Kompetenzen sind meine Voraussetzungen für ein gelungenes, zufriedenstellendes Berufsleben. In die Tiefe zu gehen und fundierte Informationen zu ergründen, das ist der Anspruch, den ich auch weitergeben möchte.
Herr Mayerhofer, Sie haben schon als Kleinkind Ihren Berufswunsch formuliert und als Jugendlicher bereits realisiert. Sie halten und stehen Ihr Wort und beweisen damit Standfestigkeit, Engagement und Disziplin. Wie notwendig sind Ausdauer und Disziplin im privaten, beruflichen und gesellschaftlichen Leben?LSB A. Mayerhofer: Mein Leben bekommt dadurch mehr Sicherheit und Stabilität. Ich habe gerne ein Ziel vor Augen und setzte mir auch immer wieder neue Ziele. Persönlichkeitsbildung hört niemals auf und ist ein lebensnotwendiger Prozess, der einen stets begleiten sollte.
Sie haben eine Lehre als Kfz-Mechaniker und Kfz-Elektriker begonnen und die Ausbildung zum KFZ-Werkmeister gemacht. Das Auto war auch später in Ihrer Tätigkeit als Versicherungsmakler Berufsgegenstand .Was genau symbolisiert das Auto für Sie? An welche Konnotationen denken Sie nebst Fortbewegung, technischem Fortschritt und Statussymbol?LSB A. Mayerhofer: Für das Auto empfand ich von Kindheitstagen an Faszination. Es war Symbol von Freiheit (man kommt überall hin), hatte Ästhetik (glänzender Lack), stellte Unabhängigkeit dar und repräsentierte Fortbewegung. In meiner Leidenschaft für Oldtimer drückt sich auch meine Wertschätzung dem Objekt gegenüber aus, nämlich Vergangenes zu bewahren, zu pflegen und zu achten.
Wir leben in einer Gesellschaft, in welcher wir einerseits versuchen, an unsere Grenzen zu gehen (Bsp. Extremsport) und andererseits bemüht sind, Risiken und Gefahren so gut wie möglich zu minimieren und uns in allen Lebenslagen und Lebensbereichen abzusichern. Wie groß schreiben Sie Absicherung bzw. Sicherheit in Bezug auf Lebensführung und Lebensstil?LSB A. Mayerhofer: Sicherheit ist weltweit die größte Sehnsucht der Menschen. Für mich persönlich ist das Thema Sicherheit sehr wichtig, obwohl mir bewusst ist, dass das Leben immer wieder Überraschungen bereithält. Auch auf Grund eigener Erfahrungen weiß ich, dass man nicht alles absichern, aber die Folgen minimieren kann, auch im persönlichen Leben. Enttäuschungen, Kränkungen, Ungerechtigkeiten usw. kann man nicht verhindern, aber es ist möglich, den Umgang damit zu lernen bzw. einen anderen Blickwinkel zu bekommen. Die Sicherheit in meiner Lebensberatung besteht darin, dass ich den KlientInnen mein Vertrauen schenke und ich auf absolute Diskretion Wert lege. Möchte man sich sozusagen persönlich absichern, dann rate ich zu mehr Achtsamkeit in der Lebensführung und zu einem wertschätzenden Umgang mit sich selbst und den Mitmenschen. Manches Mal tut es auch gut, ab und an eine „Inventur im Kopf“ zu machen.
Was bedeutet es für Sie, „sich auf Augenhöhe zu begeben“ und welchen Anteil hat das Zuhören bzw. Hinhören in Ihren Beratungsgesprächen?LSB A. Mayerhofer: Das Beratungsgespräch sollte derart gestaltet sein, dass Berater und KlientIn sich gleichberechtigt begegnen und gleichermaßen Interesse daran haben, miteinander zu arbeiten. Zuhören heißt auch, sich Zeit zu nehmen. Zeit ist der neue Luxus unserer Gesellschaft. Es ist mir wichtig, die KlientInnen anzuleiten, in sich selbst zu gehen und genau hinzuhören und zu spüren, welche Ressourcen vorhanden sind bzw. zu erkennen, welche Kapazitäten erschöpft sind. Es sollten sich auch die KlientInnen die Zeit nehmen, die es für eine Veränderung braucht.
Herr Mayerhofer, mit welchem Gefühl, mit welcher Stimmung und mit welchem „Plan“ könnten Ihre KlientInnen Ihre Praxis im Idealfall verlassen?LSB A. Mayerhofer: Erleichterung bzw. Entlastung sollten sich nach und nach einstellen. Die Klienten sollten Ihr Leben wieder selbstbestimmt und eigenverantwortlich bestreiten und bewältigen können. Dazu bedarf es allerdings einer konstruktiven Zusammenarbeit und einer gesunden Portion Wille, Mut und Vertrauen der KlientInnen in meine Arbeitspraxis.
Braucht es einen Plan im Leben bzw. ist es möglich, Pläne und Ziele immer wieder neu zu stecken?LSB A. Mayerhofer: Ich glaube es ist wichtig, die Richtung – also wo man im Leben hin will – zu finden, zu kennen bzw. erkennen. Der Weg kann manchmal nicht gleich erkennbar sein, da ist ein Plan sehr hilfreich. Pläne können aber auch sinnvoll sein, um zu überprüfen, ob man sich noch am richtigen Weg befindet, um sein Ziel letztendlich auch zu erreichen.

Ziele können Motivation sein.

Sie stecken sich auch im Privaten immer wieder gerne neue Ziele. Sie laufen Marathon und trainieren konsequent dafür, irgendwann die ganze Strecke zu bewältigen. Ist das „Dran bleiben“ die eigentliche Herausforderung?LSB A. Mayerhofer: Auf jeden Fall. Es sind zwei Wirklichkeiten zu berücksichtigen: Einerseits ist es wichtig, das Ziel vor Augen zu haben, und andererseits muss man sich bewusst machen, dass der gesamte Lauf womöglich nicht beim ersten Mal gelingen mag, vielleicht aber beim zweiten, dritten oder vierten Mal. Wichtig sind die eigene, innere Überzeugung und der Wille.
Ein anderes Hobby ist die Fotografie. Die Kunst im Fotografieren besteht unter anderem darin, den geeigneten Moment, welcher Sujet, Licht und Stimmung dementsprechend einfängt, zu finden, sodass das Foto tatsächlich ausdrückt, was man gerne zeigen möchte. Ein Foto hält fest und bildet ab. Es fängt Zeit ein und konserviert sie sozusagen. Warum sind Erinnerungen derart lebensnotwendig?LSB A. Mayerhofer: Erinnerungen können bei der Bewältigung von schwierigen Lebenssituationen hilfreich sein. Sie zeigen Ressourcen auf und werden durch (innere) Bilder bzw. Fotos verstärkt. Bilder können dabei helfen, erneut Zugang zu verdrängten Gefühlen zu bekommen, die uns lange verborgen waren. Wir erinnern uns ja meist an die schönen Dinge, welche wir erlebt haben, das kann auch helfen, mit der Vergangenheit, z.B. bei einer Trennung, abzuschließen. Aber auch bei der Trauerarbeit sind positive Erinnerungen an die gemeinsam verbrachte Zeit wichtig, um den Verlust eines geliebten Menschen besser bewältigen zu können. Erinnerungen sind Teil unseres Lebens und manchmal erkennt man den Wert eines Augenblicks erst dann, wenn er bereits vergangen und zur Erinnerung geworden ist.